Interview mit Mile Radosavljević

Romanistan: Interview mit dem Mile Radosavljevic

Am Beispiel eines Kindes der zweiten Generation, das 1964 mit seiner Mutter nach Wien kam, wird eine typische Migrantengeschichte der Roma geschildert, eine weiter unglaubliche Lebensgeschichte. Der Vater und Familie kam bereits Anfang der 60er Jahre nach Wien. Zunächst wohnte er im 11. Wiener Gemeindebezirk, gemeinsam mit den beiden Eltern und weiteren 9 Familienmitgliedern auf etwa 70m2. Ende der 60er Jahre besserten sich die Wohnverhältnisse. Mit 15 Jahren begann der junge Mile bereits zu arbeiten und half, die Familie mitzuernähren. Nach dem ersten Job in einer Druckerei, begann er als 17- oder 18-jähriger als LKW-Fahrer zu arbeiten. Er heiratete 1969 und war noch sehr jung, jedoch entsprach eine Hochzeit in diesem Alter der Roma-Tradition und in den folgenden Jahren wurden zwei Kinder geboren. Mile zeigt sich überaus dankbar für die Lebensmöglichkeit und Chancengleichheit, die er in Österreich und Wien erlebt hat. Er ist zwar in einem Arbeitsbereich tätig, der typisch für MigrantInnen ist, konnte aber für sich und seine Familie einen guten Lebensstandard aufbauen. Neben dem Hauptwohnsitz in Österreich hat sich die Familie durch Auslandsinvestitionen, die in der Gemeinschaft oft vorkommen, auch ein großes Haus in Serbien, ihrem Heimatland aufgebaut. Inzwischen ist die Familie in der 4. Generation in Wien. Mile erlebte Österreich in den 60er Jahren als ein überaus freundliches und zuvorkommendes Land ihm und anderen Gastarbeitern gegenüber. Trotz mangelnder Sprachkenntnisse war es aufgrund der damaligen wirtschaftlichen Lage möglich, schnell Arbeit zu finden. Er ist stolz auf seine Leistung, zufrieden mit seinem Schicksal und kann auf eine aufregende Lebensgeschichte zurückblicken. (Text A.Ibric)


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